Das Wichtigste in Kürze
- Vier Voraussetzungen nennt das Hochschulrecht für jede Professur: ein abgeschlossenes Hochschulstudium, pädagogische Eignung, die besondere Befähigung zu wissenschaftlicher Arbeit (in der Regel die Promotion) und je nach Stelle zusätzliche wissenschaftliche Leistungen oder Berufspraxis.
- An Universitäten werden die zusätzlichen Leistungen über die Habilitation, eine Juniorprofessur, eine Tenure-Track-Professur oder die Leitung einer Nachwuchsgruppe nachgewiesen.
- An Hochschulen für angewandte Wissenschaften zählt stattdessen die Praxis: in 13 Ländern fünf Jahre Berufstätigkeit, davon mindestens drei außerhalb der Hochschule, in Brandenburg und Bremen drei Jahre.
- Bei der ersten Berufung sind Professoren im Durchschnitt 42,4 Jahre alt, rund zehn Jahre älter als beim Abschluss der Promotion.
- Die Habilitation verliert an Gewicht: 2022 war sie nur noch bei 15 % der erstmals auf Lebenszeit Berufenen die letzte Qualifikation vor dem Ruf, 2016 waren es 20 %.
- Im Jahr 2022 führte an den Universitäten im Schnitt jede 21. Bewerbung auf eine Professur zum Erfolg.
Was bedeutet es, Professor zu werden?
Professor wird man in Deutschland nicht durch eine Prüfung, sondern durch eine Berufung, also die Entscheidung einer Hochschule, eine bestimmte Person auf eine Professur zu holen: Eine Hochschule schreibt eine Professur aus, wählt in einem mehrstufigen Berufungsverfahren unter den Bewerbern aus und erteilt einer Person den Ruf. Erst mit der Ernennung oder dem Arbeitsvertrag ist das Amt erreicht. Der Titel ist also an eine Stelle gebunden. Das unterscheidet die Professur von der Promotion und der Habilitation, die beide Prüfungsleistungen sind.
Ende 2024 lehrten und forschten nach Angaben des Statistischen Bundesamts rund 52.100 hauptberufliche Professoren an deutschen Hochschulen. Der Frauenanteil lag bei 30 % und hat sich damit in 20 Jahren mehr als verdoppelt (2004: 14 %). Die Zahl der Stellen wächst nur langsam, entsprechend groß ist die Konkurrenz: Im Jahr 2022 gingen laut dem Bundesbericht zum wissenschaftlichen Nachwuchs (BuWiK 2025) an den Universitäten 54.243 Bewerbungen auf Professuren ein, 2.550 Berufungen kamen zustande. Im Schnitt war jede 21. Bewerbung erfolgreich, wobei sich viele Personen mehrfach bewerben.
Welche Voraussetzungen gelten für eine Professur?
Den Rahmen setzt § 44 des Hochschulrahmengesetzes, die Länder haben ihn in ihre Hochschulgesetze übernommen und ausgestaltet. Vier Voraussetzungen sind zu erfüllen:
- Abgeschlossenes Hochschulstudium. Gemeint ist ein Abschluss auf Master-, Diplom- oder Staatsexamensniveau im Fach der Professur oder einem verwandten Fach.
- Pädagogische Eignung. Sie wird in aller Regel durch Lehrerfahrung nachgewiesen. Baden-Württemberg nennt in § 47 LHG ausdrücklich zwei Wege: Erfahrung in der Lehre oder Ausbildung sowie die Teilnahme an Fort- und Weiterbildungen in Hochschuldidaktik. Im Berufungsverfahren wird die Eignung zusätzlich über eine Lehrprobe geprüft.
- Besondere Befähigung zu wissenschaftlicher Arbeit. Nachgewiesen wird sie „in der Regel durch die Qualität einer Promotion“. Eine bestandene Promotion allein genügt also nicht in jedem Fall, viele Ausschreibungen verlangen ein überdurchschnittliches Ergebnis. Was hinter den Prädikaten steckt, erklärt unser Beitrag zu den Noten der Doktorarbeit. In künstlerischen Fächern tritt die besondere Befähigung zu künstlerischer Arbeit an diese Stelle.
- Zusätzliche Leistungen je nach Stelle. Hier trennen sich die Wege: Universitäten verlangen zusätzliche wissenschaftliche Leistungen, Hochschulen für angewandte Wissenschaften besondere Leistungen in einer mehrjährigen beruflichen Praxis, Kunsthochschulen zusätzliche künstlerische Leistungen.
Hinzu kommen die allgemeinen dienstrechtlichen Voraussetzungen, vor allem die Altersgrenzen für die Verbeamtung, die jedes Land selbst festlegt. Wer sie überschreitet, kann in aller Regel im Angestelltenverhältnis berufen werden.
Welche Wege führen zur Universitätsprofessur?
Wie die „zusätzlichen wissenschaftlichen Leistungen“ erbracht werden, lassen die Gesetze bewusst offen. Nordrhein-Westfalen zählt in § 36 HG die Juniorprofessur, die Habilitation, die Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an einer Hochschule oder Forschungseinrichtung und die wissenschaftliche Tätigkeit in Wirtschaft, Verwaltung oder Gesellschaft gleichrangig auf. Bewertet werden die Leistungen ausschließlich im Berufungsverfahren. In der Praxis haben sich vier Wege herausgebildet:
Die Habilitation
- Der klassische Weg: Nach der Promotion folgt eine zweite große Forschungsleistung, die Habilitationsschrift oder eine gleichwertige Sammlung von Publikationen, dazu der Nachweis der Lehrbefähigung. Am Ende steht die venia legendi, häufig verbunden mit dem Titel Privatdozent.
- Die Habilitation ist in der Medizin, den Geisteswissenschaften und der Rechtswissenschaft weiterhin der Regelweg. 2025 wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamts 1.571 Habilitationen abgeschlossen, das Durchschnittsalter lag bei 42 Jahren.
- Eine Stelle ist mit der Habilitation nicht verbunden. Finanziert wird die Phase meist über eine befristete Stelle als Postdoc oder wissenschaftlicher Mitarbeiter.
Die Juniorprofessur
- Die Juniorprofessur (Besoldungsgruppe W1, die Einstiegsstufe der Professorenbesoldung) wurde Anfang der 2000er-Jahre als Alternative zur Habilitation eingeführt. Juniorprofessoren forschen und lehren selbstständig, sind in der Regel sechs Jahre auf Zeit berufen und werden nach etwa der Hälfte evaluiert.
- Bei ihrer Berufung waren Juniorprofessoren 2022 im Durchschnitt 35,8 Jahre alt und damit deutlich jünger als Habilitierte beim Abschluss ihres Verfahrens.
- Ohne Anschlusszusage endet die Juniorprofessur nach sechs Jahren. Für eine Lebenszeitprofessur ist dann eine erneute Bewerbung in einem regulären Berufungsverfahren nötig.
Die Tenure-Track-Professur
- Die Tenure-Track-Professur verbindet die befristete Bewährungsphase mit einer verbindlichen Zusage: Wer die vorab vereinbarten Leistungen erbringt und die Evaluation besteht, erhält die Professur auf Lebenszeit ohne neue Ausschreibung.
- Der BuWiK 2025 zählt für das Jahr 2022 insgesamt 1.336 Tenure-Track-Professuren. Bayern erlaubt in Art. 57 BayHIG sogar, bei diesen Stellen die zu erwartenden wissenschaftlichen Leistungen perspektivisch zu bewerten.
- Als letzte Qualifikation vor der ersten Lebenszeitprofessur spielt der Tenure-Track in der Statistik bislang eine kleine Rolle (2022: 2,5 %), weil das Bund-Länder-Programm erst seit 2017 läuft und die ersten Jahrgänge ihre Bewährungsphase gerade abschließen.
Die Nachwuchsgruppenleitung
- Wer eine eigene, extern finanzierte Forschungsgruppe leitet, weist damit habilitationsgleiche Leistungen nach. Bayern hat das ausdrücklich ins Gesetz geschrieben: Die Leitung einer Nachwuchsgruppe gilt dort unter bestimmten Voraussetzungen als gleichwertige wissenschaftliche Leistung.
- Das größte Programm ist das Emmy Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit 409 Gruppen im Jahr 2022. Es fördert sechs Jahre lang, der Antrag ist in der Regel bis vier Jahre nach der Promotion möglich. Erklärtes Ziel ist es, die Voraussetzungen für eine Berufung zu erlangen.
- Der ERC Starting Grant stellt bis zu 1,5 Millionen € für fünf Jahre bereit. Die Helmholtz-Nachwuchsgruppen werden fünf Jahre mit mindestens 1,75 Millionen € gefördert, die Leiter erhalten nach positiver Evaluierung eine unbefristete Stelle an ihrem Zentrum. Leiter einer Max-Planck-Forschungsgruppe bekommen einen auf sechs Jahre befristeten W2-Vertrag, der um drei Jahre verlängert werden kann.
Wie sich die Gewichte verschieben, zeigt der BuWiK 2025 anhand der 1.583 Personen, die 2022 erstmals auf eine Lebenszeitprofessur berufen wurden. Nur bei 15 % von ihnen war die Habilitation die letzte Qualifikation vor dem Ruf, 2016 waren es noch 20 %. Im selben Zeitraum stieg der Anteil der „sonstigen habilitationsadäquaten Leistungen“ von 11 % auf 15 %. Die Habilitation bleibt also wichtig, ist aber längst nicht mehr der einzige Schlüssel.
Aktuelle Juniorprofessuren und Tenure-Track-Professuren
Aktuell 49 Ausschreibungen für den Einstieg in die Professur auf akademische-jobs.de.
Wie wird man Professor an einer Fachhochschule?
An Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW, früher Fachhochschulen) ersetzt die Berufspraxis die Habilitation. Verlangt werden neben Studium, pädagogischer Eignung und Promotion besondere Leistungen bei der Anwendung oder Entwicklung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Methoden in einer mehrjährigen beruflichen Praxis. Wie lang diese Praxis sein muss, regelt jedes Land selbst:
| Land | Berufspraxis | davon außerhalb der Hochschule |
|---|---|---|
| Baden-Württemberg (§ 47 LHG) | 5 Jahre | mindestens 3 Jahre |
| Bayern (Art. 57 BayHIG) | 5 Jahre nach dem Studienabschluss | mindestens 3 Jahre |
| Berlin (§ 100 BerlHG) | 5 Jahre | mindestens 3 Jahre |
| Brandenburg (§ 43 BbgHG) | 3 Jahre | mindestens 2 Jahre |
| Bremen (§ 116 BremBG) | 3 Jahre | mindestens 2 Jahre |
| Hamburg (§ 15 HmbHG) | 5 Jahre | mindestens 3 Jahre |
| Hessen (§ 68 HessHG) | 5 Jahre | mindestens 3 Jahre |
| Mecklenburg-Vorpommern (§ 58 LHG M-V) | 5 Jahre | mindestens 3 Jahre |
| Niedersachsen (§ 25 NHG) | 5 Jahre | mindestens 3 Jahre |
| Nordrhein-Westfalen (§ 36 HG) | 5 Jahre | mindestens 3 Jahre |
| Rheinland-Pfalz (§ 49 HochSchG) | 5 Jahre | 3 Jahre als Sollvorgabe |
| Saarland (§ 41 SHSG) | 5 Jahre | mindestens 3 Jahre |
| Sachsen (§ 59 SächsHSG) | in der Regel 5 Jahre | mindestens 3 Jahre |
| Sachsen-Anhalt (§ 35 HSG LSA) | keine Mindestdauer im Gesetz | grundsätzlich 3 Jahre |
| Schleswig-Holstein (§ 61 HSG) | 5 Jahre | mindestens 3 Jahre |
| Thüringen (§ 84 ThürHG) | 5 Jahre | mindestens 3 Jahre |
Quelle: Landeshochschulgesetze in der am 23.09.2026 geltenden Fassung, eigene Zusammenstellung. Bremen regelt die Voraussetzungen im Beamtengesetz, nicht im Hochschulgesetz.
In 13 Ländern gilt also dieselbe Formel: fünf Jahre Berufspraxis, davon mindestens drei außerhalb der Hochschule. Brandenburg und Bremen begnügen sich mit drei Jahren, davon zwei außerhalb. Sachsen-Anhalt nennt im Gesetz keine Mindestdauer und formuliert die drei Jahre außerhalb der Hochschule nur als Grundsatz, Rheinland-Pfalz als Sollvorgabe. Sachsen stellt klar, dass auch selbständige und freiberufliche Tätigkeiten als Berufspraxis gelten.
Die Details haben es in sich. In Bayern muss die Praxis nach dem Abschluss des Hochschulstudiums erworben sein, und Zeiten als Referendar oder als wissenschaftlicher Mitarbeiter werden insgesamt nur bis zu zwei Jahren angerechnet. Eine lange Promotionszeit auf einer Mitarbeiterstelle zählt dort also nur zum kleinen Teil. In besonders begründeten Fällen können auch an einer HAW zusätzliche wissenschaftliche Leistungen an die Stelle der Praxis treten, etwa beim Aufbau von Forschungsschwerpunkten.
Für viele Praktiker ist der Lehrauftrag der erste Schritt, denn er liefert die Lehrerfahrung, mit der sich die pädagogische Eignung belegen lässt. Was ein Lehrbeauftragter tut und verdient, beschreibt ein eigener Beitrag. Berufen wird an HAW in aller Regel auf W2. Die Beträge je Bundesland finden Sie in unserem Ratgeber zur W-Besoldung.
Was verlangen Hochschulen in ihren Ausschreibungen?
Wie unterschiedlich die beiden Hochschultypen suchen, zeigt eine Auswertung unserer eigenen Stellendatenbank. Zum Stichtag 21.09.2026 haben wir die Volltexte der aktiven Professur-Ausschreibungen deutscher Hochschulen durchsucht, 157 von Universitäten und 172 von Hochschulen für angewandte Wissenschaften:
| Im Ausschreibungstext genannt | Universitäten | HAW |
|---|---|---|
| Habilitation | 43 % | 1 % |
| Juniorprofessur als Qualifikationsweg | 22 % | 1 % |
| Berufspraxis | 0 % | 73 % |
| Praxis „außerhalb des Hochschulbereichs“ | 3 % | 48 % |
| Pädagogische Eignung | 37 % | 61 % |
| Drittmittel | 71 % | 41 % |
Quelle: akademische-jobs.de, eigene Auswertung der Ausschreibungstexte, Stichtag 21.09.2026.
Zwei Befunde stechen heraus. Erstens war an den Universitäten nicht die Habilitation das meistgenannte Kriterium, sondern die Einwerbung von Drittmitteln, also von Forschungsgeldern, die etwa die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die EU oder Unternehmen zusätzlich zum Hochschuletat bereitstellen: Sieben von zehn Ausschreibungen erwähnten sie. Zweitens übernahmen viele HAW die Formel des Gesetzes fast wörtlich in den Anzeigentext. Wer sich dort bewirbt, sollte die geforderten Praxisjahre deshalb im Lebenslauf auf den Monat genau belegen können.
Kann man ohne Habilitation oder ohne Doktortitel Professor werden?
Beide Fragen werden häufig gestellt, und die Antworten fallen unterschiedlich aus: Der Verzicht auf die Habilitation ist heute üblich, der Verzicht auf die Promotion bleibt eine eng begrenzte Ausnahme.
Professor werden ohne Habilitation
- Das ist heute üblich. An Universitäten genügen die Juniorprofessur, die Tenure-Track-Professur, die Leitung einer Nachwuchsgruppe oder gleichwertige wissenschaftliche Leistungen, die nach bayerischem Recht ausdrücklich auch außerhalb des Hochschulbereichs erbracht sein können.
- Bei den Erstberufungen auf Lebenszeit war die Habilitation 2022 nur noch bei 15 % die letzte Qualifikation vor dem Ruf. In der Medizin, den Geisteswissenschaften und der Rechtswissenschaft bleibt sie allerdings der erwartete Weg.
- An den Hochschulen für angewandte Wissenschaften spielt die Habilitation keine Rolle: Laut BuWiK 2025 brachten dort 91 % der 2022 erstmals Berufenen als höchste Vorqualifikation die Promotion, besondere berufliche Qualifikationen oder sonstige Leistungen mit.
Professor werden ohne Doktortitel
- Das ist die Ausnahme, aber gesetzlich vorgesehen. In künstlerischen Fächern tritt an die Stelle der Promotion die besondere Befähigung zu künstlerischer Arbeit. Nordrhein-Westfalen verlangt dafür in der Regel besondere Leistungen während einer fünfjährigen künstlerischen Tätigkeit, davon drei Jahre außerhalb der Hochschule.
- Darüber hinaus erlaubt § 36 Abs. 3 HG NRW, abweichend von Studium, Promotion und zusätzlichen Leistungen auch einzustellen, wer „hervorragende fachbezogene Leistungen in der Praxis“ nachweist, soweit es der Eigenart des Faches und den Anforderungen der Stelle entspricht. Genutzt wird das vor allem in gestalterischen und praxisnahen Fächern.
- Für wissenschaftliche Fächer an Universitäten ist die Promotion dagegen faktisch Pflicht, weil sie den gesetzlich verlangten Nachweis der besonderen Befähigung zu wissenschaftlicher Arbeit liefert.
Wie lange dauert der Weg und wie alt sind Neuberufene?
Eine feste Dauer gibt es nicht, wohl aber belastbare Alterswerte. Nach dem BuWiK 2025 schließen Promovierte ihre Doktorarbeit im Durchschnitt mit 32,2 Jahren ab. Die 9.376 Personen, die zwischen 2019 und 2022 erstmals auf eine Professur berufen wurden, waren dabei im Mittel 42,4 Jahre alt, die Hälfte von ihnen war jünger als 41,8 Jahre. Zwischen beiden Mittelwerten liegen gut zehn Jahre.
| Erstberufung 2022 an Universitäten | Durchschnittsalter |
|---|---|
| Juniorprofessur (W1) | 35,8 Jahre |
| W2-Professur | 42,2 Jahre |
| W3-Professur | 43,6 Jahre |
Quelle: Bundesbericht zum wissenschaftlichen Nachwuchs (BuWiK 2025), Tabelle B4.
In diese Jahre fällt die befristete Beschäftigung nach dem Wissenschaftszeitvertragsgesetz, das die Qualifizierungsbefristung auf sechs Jahre vor und sechs Jahre nach der Promotion begrenzt. Wer bis dahin keinen Ruf erhalten hat, braucht eine Drittmittelstelle, eine Dauerstelle im Mittelbau, also unter den wissenschaftlichen Mitarbeitern unterhalb der Professur, oder den Wechsel in ein anderes Berufsfeld. Auch deshalb lohnt es sich, früh zu klären, welcher der vier Wege im eigenen Fach üblich ist.
Wie läuft die Berufung ab?
Auf die Ausschreibung folgen die Sichtung der Bewerbungen, die Einladung zur Anhörung mit Vortrag und Lehrprobe, vergleichende Gutachten und schließlich die Berufungsliste, in aller Regel mit drei Namen. Die Auswahl trifft eine Berufungskommission, den Ruf erteilt je nach Land die Hochschulleitung oder das Ministerium. Danach wird über Ausstattung und Bezüge verhandelt. Alle Stationen, die Dauer und die Zuständigkeiten in den 16 Ländern beschreibt unser Beitrag zum Berufungsverfahren. Eine häufige Zwischenstation auf dem Weg zum ersten Ruf ist die Vertretungsprofessur.
Nicht jeder Professorentitel ist mit einer Planstelle verbunden. Die außerplanmäßige Professur, die Honorarprofessur und die Seniorprofessur verleihen den Titel, ohne dass damit ein Lehrstuhl und die entsprechende Besoldung einhergehen.
Wie wird man Professor in Österreich und der Schweiz?
Beide Länder kennen Wege, die dem deutschen Tenure-Track ähneln, regeln sie aber bundesweit einheitlich beziehungsweise für die Eidgenössischen Technischen Hochschulen per Verordnung.
Österreich
- Universitätsprofessuren werden nach § 98 UG 2002 in einem Berufungsverfahren mit internationaler Ausschreibung, Gutachten und einem Dreiervorschlag der Berufungskommission besetzt. Die Auswahl trifft der Rektor, der auch den Arbeitsvertrag schließt. Eine Verbeamtung gibt es nicht mehr.
- Der österreichische Tenure-Track ist die Laufbahnstelle: Nach § 99 Abs. 5 und 6 UG 2002 setzt das Angebot einer Qualifizierungsvereinbarung ein international kompetitives Auswahlverfahren voraus. Wer die vereinbarte Qualifikation erreicht, wird Assoziierter Professor und kann nach Abs. 4 in einem vereinfachten Verfahren zum Universitätsprofessor berufen werden.
- Die Habilitation bleibt daneben der klassische Nachweis der Lehrbefugnis, über sie entscheidet die jeweilige Universität.
Schweiz
- An den beiden ETH führt der Weg über die Assistenzprofessur. Nach Art. 9 der Professorenverordnung ETH werden Assistenzprofessoren für vier Jahre angestellt, die Anstellung kann bis zur Höchstdauer von acht Jahren erneuert werden.
- Nach Art. 10 derselben Verordnung kann der ETH-Rat bei der Ernennung die Überführung in eine unbefristete Anstellung zusichern (Tenure Track). Wer das vereinbarte Leistungsziel erreicht, wird spätestens nach der zweiten Anstellungsperiode zum außerordentlichen Professor ernannt.
- An den kantonalen Universitäten gelten die jeweiligen Universitätsgesetze und Berufungsordnungen. Die Habilitation ist dort je nach Fach und Universität weiterhin verbreitet.
Aktuelle Professuren
Offene Stellen finden Sie bei uns in den Bereichen Professuren und Juniorprofessuren und Tenure-Track. Beide lassen sich nach Fachgebiet, Land und Region filtern. Für die Jahre davor sind die Bereiche Postdoc und wissenschaftliche Mitarbeiter die richtige Anlaufstelle.
Aktuelle Professuren
Aktuell 432 offene Professuren und Juniorprofessuren auf akademische-jobs.de.
Fazit
Professor werden heißt, vier gesetzliche Voraussetzungen zu erfüllen und sich dann in einem Berufungsverfahren gegen im Schnitt zwanzig Mitbewerbungen durchzusetzen. An den Universitäten führen dorthin heute vier Wege, von denen die Habilitation nur noch einer ist, an den Hochschulen für angewandte Wissenschaften zählt neben der Promotion die Berufspraxis außerhalb der Hochschule. Wer das Ziel ernsthaft verfolgt, sollte früh klären, welcher Weg im eigenen Fach üblich ist, und die Jahre nach der Promotion gezielt für eigene Drittmittel, selbstständige Lehre und sichtbare Publikationen nutzen. Wir hoffen, dass wir Ihnen damit weiterhelfen konnten!
FAQ: Häufige Fragen zum Weg auf die Professur
Kann man ohne Doktortitel Professor werden?
In Ausnahmefällen ja. In künstlerischen Fächern ersetzt die besondere Befähigung zu künstlerischer Arbeit die Promotion. Einige Länder erlauben zudem die Einstellung von Personen mit hervorragenden fachbezogenen Leistungen in der Praxis, etwa Nordrhein-Westfalen nach § 36 Abs. 3 HG. Für wissenschaftliche Fächer an Universitäten ist die Promotion faktisch Pflicht.
Braucht man die Habilitation noch?
Das hängt vom Fach ab. In der Medizin, den Geisteswissenschaften und der Rechtswissenschaft ist sie weiterhin üblich. Insgesamt war sie 2022 aber nur noch bei 15 % der erstmals auf Lebenszeit Berufenen die letzte Qualifikation vor dem Ruf. Juniorprofessur, Tenure-Track und Nachwuchsgruppenleitung sind rechtlich gleichwertig.
Wie alt ist man beim ersten Ruf?
Im Durchschnitt 42,4 Jahre (Erstberufungen 2019 bis 2022). Auf eine Juniorprofessur wurden Wissenschaftler 2022 im Schnitt mit 35,8 Jahren berufen, auf eine W2-Professur mit 42,2 und auf eine W3-Professur mit 43,6 Jahren.
Wie wird man Professor an einer Fachhochschule?
Verlangt werden ein Hochschulabschluss, pädagogische Eignung, in der Regel eine Promotion und mehrjährige Berufspraxis. In 13 Ländern sind es fünf Jahre, davon mindestens drei außerhalb der Hochschule. Brandenburg und Bremen begnügen sich mit drei Jahren, davon zwei außerhalb, Sachsen-Anhalt nennt keine Mindestdauer.
Was verdient ein Professor?
Professoren werden nach der Besoldungsordnung W bezahlt, die jedes Land selbst festlegt. Die Grundgehälter für W1, W2 und W3 sowie die Leistungsbezüge vergleicht unser Ratgeber zur W-Besoldung.
Darf man an der eigenen Universität Professor werden?
Nur eingeschränkt. Die Hochschulgesetze erschweren sogenannte Hausberufungen, Ausnahmen gelten vor allem für Tenure-Track-Professuren. Die Einzelheiten stehen im Beitrag zum Berufungsverfahren.












