Graduiertenkolleg: Aufbau, Bezahlung und Bewerbung

Ein Graduiertenkolleg ist ein Promotionsprogramm, das die Deutsche Forschungsgemeinschaft an einer Hochschule fördert. Fünf bis zehn Hochschullehrer bearbeiten dort ein gemeinsames Forschungsthema und betreuen bis zu 30 Doktoranden, die in aller Regel auf einer bezahlten Stelle promovieren. Ende September 2026 liefen 212 solcher Kollegs. Dieser Artikel erklärt Aufbau und Formen, die Bezahlung nach Fach, die Bewerbung und den Unterschied zur Graduiertenschule.

Veröffentlicht: 30.09.202611 min Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Graduiertenkolleg ist ein Promotionsprogramm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG): Fünf bis zehn Hochschullehrer bearbeiten ein gemeinsames Forschungsthema und können in neun Jahren bis zu 30 Doktoranden finanzieren.
  • Doktoranden im Kolleg werden in aller Regel auf einer Stelle angestellt, nicht über ein Stipendium. Der Stellenumfang liegt je nach Fach zwischen 65 und 100 % einer Stelle nach TV-L E13, das sind in der ersten Stufe rund 3.090 € bis 4.759,37 € brutto im Monat.
  • Die Finanzierung jedes Doktoranden dauert bis zu 48 Monate. Die DFG erwartet, dass die Promotion in der Regel nach drei bis höchstens vier Jahren abgeschlossen ist.
  • Ende September 2026 liefen 212 Graduiertenkollegs, darunter 28 Internationale Graduiertenkollegs mit einer Partnerhochschule im Ausland, an der die Doktoranden sechs bis zwölf Monate forschen.
  • Beworben wird direkt beim Kolleg, nicht bei der DFG. Die Kollegs schreiben ihre Stellen meist für einen ganzen Jahrgang aus, häufig auf Englisch.

Was ist ein Graduiertenkolleg?

Ein Graduiertenkolleg, abgekürzt GRK und international Research Training Group (RTG) genannt, ist eine Einrichtung einer Hochschule, in der Doktoranden zu einem gemeinsamen Leitthema promovieren. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert das Programm seit 1990. Getragen wird ein Kolleg nach dem Merkblatt der DFG von einer kleinen Gruppe von etwa fünf bis zehn Hochschullehrern, die für das Thema ausgewiesen sind und Erfahrung in der Betreuung von Promotionen haben. Einer von ihnen übernimmt als Sprecher die Leitung. Er muss unbefristet berufener Professor sein und vertritt das Kolleg gegenüber Fakultät, Hochschulleitung und DFG.

Den Kern bildet ein Forschungsprogramm, aus dem sich die einzelnen Dissertationsthemen ableiten. Die Doktoranden arbeiten also nicht an einem beliebigen Thema, sondern an einem Baustein eines größeren Vorhabens, etwa zu „Digitalen Plattform-Ökosystemen“ in der Wirtschaftsinformatik oder zur „Politik der Aufklärung“ in den Geisteswissenschaften. Neben den aus Kollegmitteln bezahlten Doktoranden können weitere mitwirken, die anders finanziert sind, etwa über ein Stipendium oder eine Projektstelle. Sie heißen assoziierte Kollegiaten und nutzen dieselben Angebote.

Das Graduiertenkolleg ist die bekannteste Form der strukturierten Promotion. Das Statistische Bundesamt zählt dazu alle Programme, die ein Qualifizierungsprogramm für alle Teilnehmer, eine gemeinsame Betreuungsverantwortung und ein transparentes Aufnahmeverfahren mit Ausschreibung bieten. Nach der Promovierendenstatistik 2025 nahmen 48.099 von 216.240 Promovierenden an einem solchen Programm teil, also gut jeder fünfte. Die übrigen promovieren individuell bei einem Betreuer, den Weg beschreibt unser Beitrag zum Promovieren.

Welche Formen von Graduiertenkollegs gibt es?

Die DFG kennt drei Varianten, die sich in der Einbindung und im internationalen Anteil unterscheiden:

  • Das Graduiertenkolleg an einem Standort ist der Regelfall. In begründeten Fällen können mehrere deutsche Hochschulen ein Kolleg gemeinsam beantragen, so arbeitet das Kolleg „Von Geometrie zu Zahlen“ in Berlin und Hannover.
  • Das Internationale Graduiertenkolleg (IGK, englisch IRTG) verbindet eine deutsche Hochschule mit einer Partnereinrichtung im Ausland. Beide Seiten stellen jeweils fünf bis zehn Hochschullehrer, die Doktoranden werden von einem Betreuer an jedem Standort begleitet und verbringen insgesamt sechs bis zwölf Monate an der Partnerinstitution. Von der ausländischen Partnereinrichtung erwartet die DFG, dass sie ihre Doktoranden selbst finanziert.
  • Das Integrierte Graduiertenkolleg ist kein eigenständiges Programm, sondern ein Teilprojekt eines Sonderforschungsbereichs, also eines großen, langfristig geförderten Forschungsverbunds an einer Universität. Nach dem Merkblatt für Sonderforschungsbereiche bündelt es die Promotionsförderung des Forschungsverbunds, unabhängig davon, aus welchen Mitteln die einzelnen Doktoranden bezahlt werden.

Auch Hochschulen für angewandte Wissenschaften können sich beteiligen. Ein Graduiertenkolleg kann an einer Fachhochschule angesiedelt sein, die selbst oder zusammen mit einer Universität zur Promotion führen darf, und die DFG fördert ausdrücklich Kollegs, in denen Professoren beider Hochschultypen kooperative Promotionen betreuen.

Wie ist ein Graduiertenkolleg aufgebaut?

Die Vorgaben der DFG für den Aufbau eines Kollegs sind vergleichsweise genau. Vier Bausteine unterscheiden ein Graduiertenkolleg von einer Promotion am Lehrstuhl:

Das Forschungsprogramm

Im Zentrum steht eine Forschungsidee zu einem Leitthema, die über den Stand des Fachs hinausgehen soll. Die DFG beschreibt dieses Leitthema als „Webmuster“, das die einzelnen Dissertationen miteinander verknüpft. Interdisziplinäre Kollegs sind ausdrücklich erwünscht, sodass Doktoranden aus verschiedenen Fächern an derselben Frage arbeiten.

Das Qualifizierungsprogramm

Jedes Kolleg bietet ein eigenes Studienprogramm aus Seminaren, Methodenkursen und Workshops, das über das eigene Dissertationsthema hinausreicht. Dazu kommen Gastwissenschaftler, die für Vorträge und längere Aufenthalte eingeladen werden, teils als sogenannte Mercator-Fellows, also auswärtige Forscher, die über längere Zeit eng mit dem Kolleg zusammenarbeiten. Das Programm soll die Promotion begleiten, ohne sie zu verlängern, und auf den Arbeitsmarkt innerhalb und außerhalb der Wissenschaft vorbereiten.

Die Betreuung im Team

Statt eines einzelnen Doktorvaters betreuen zwei Wissenschaftler oder ein Betreuungsgremium jede Promotion. Die DFG empfiehlt, Aufgaben und Pflichten beider Seiten in einer schriftlichen Betreuungsvereinbarung festzuhalten, etwa Zeitplan, Häufigkeit der Treffen und Regeln für Konflikte. Auch Nachwuchsgruppenleiter und Juniorprofessoren können im Kolleg Verantwortung für Betreuungen übernehmen.

Laufzeit und Jahrgänge

Ein Kolleg wird höchstens neun Jahre gefördert, bei Bewilligung ab Mai 2022 in zwei Perioden von fünf und vier Jahren, vorher in zwei Perioden von je viereinhalb Jahren. In dieser Zeit durchlaufen mehrere Jahrgänge, sogenannte Kohorten, das Programm. Die einzelnen Doktoranden werden bis zu 48 Monate finanziert, und die DFG erwartet, dass sie in der Regel nach drei bis höchstens vier Jahren promoviert sind.

Wird ein Kolleg nach der ersten Förderperiode nicht verlängert, müssen die laufenden Promotionen nicht abbrechen: Für Doktoranden, die ihre 48 Monate noch nicht erreicht haben, gibt es eine Auslauffinanzierung von bis zu zwölf Monaten.

Wie werden Doktoranden im Graduiertenkolleg bezahlt?

Der verbreitete Gedanke, im Graduiertenkolleg promoviere man mit einem Stipendium, stimmt seit Jahren nicht mehr. Nach Auskunft der DFG schließt die Universität mit den Doktoranden in der Regel einen Arbeitsvertrag. Die Verwendungsrichtlinien für Graduiertenkollegs erlauben den Einsatz der Personalmittel nur für sozialversicherungspflichtige Arbeitsverträge, eine Umwandlung in Stipendien nur ausnahmsweise und mit Zustimmung der DFG. Bis 2009 waren überwiegend halbe Stellen oder Stipendien üblich. Seitdem legen die Fachkollegien der DFG, also die von den Forschenden gewählten Fachgremien, den Stellenumfang je Fach fest. Bezahlt wird nach der Entgeltgruppe E13 des Tarifvertrags der Länder, deren Stufen und Beträge unser Beitrag zum TV-L E13 erklärt:

FächerÜblicher StellenumfangTV-L E13, Stufe 1
Geisteswissenschaftenin der Regel 65 %rund 3.090 €
Sozial- und Kulturanthropologie, Religionswissenschaftin der Regel 75 %rund 3.570 €
Erziehungswissenschaft, Psychologie, Sozial-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaftenbis zu 75 %rund 3.570 €
Biologie, Medizin, Agrarwissenschaftenin der Regel 65 %rund 3.090 €
Chemiein der Regel 67 %rund 3.190 €
Physik, Mathematik, Geowissenschaftenbis zu 75 %rund 3.570 €
Ingenieurwissenschaften, Informatik, Architekturbis zu 100 %4.759,37 €

Quelle: DFG, Hinweise zur Bezahlung von Promovierenden (Vordruck 55.02, Stand 10/2024); Monatsbrutto nach der Entgelttabelle zum TV-L, Stand 04/2026, gerundet.

Die Prozentwerte sind Leitlinien, ein höherer Umfang ist möglich, mindestens aber muss die Stelle die Hälfte der regulären Arbeitszeit umfassen. Die Ausschreibungen auf akademische-jobs.de bewegten sich zum Stichtag 28.09.2026 in diesem Rahmen: Das Kolleg „Politik der Aufklärung“ in Halle schrieb fünf Stellen mit 65 % aus, das Kolleg „Digital Platform Ecosystems“ in Passau bot in der Betriebswirtschaftslehre 75 % und in der Wirtschaftsinformatik 100 %. In Hessen gilt statt des TV-L der Tarifvertrag des Landes Hessen (TV-H) mit etwas anderen Beträgen. Wie sich die Anteile netto auswirken und wie sie sich zu Stipendien verhalten, zeigt unser Beitrag zum Doktoranden-Gehalt.

Befristet wird der Vertrag in aller Regel nach § 2 Abs. 1 WissZeitVG, die DFG empfiehlt diese Qualifizierungsbefristung, also die Befristung zur eigenen wissenschaftlichen Weiterqualifikation, ausdrücklich. Die Laufzeit kann bis zu 48 Monate betragen, die Förderung endet aber mit dem Monat, in dem die letzte mündliche Prüfung stattfindet. Wer früher fertig wird, verlässt das Kolleg also früher. Was die sechs Jahre vor der Promotion im Gesetz bedeuten, erklärt unser Beitrag zum WissZeitVG.

Stipendien gibt es im Kolleg nur noch in drei Sonderfällen. Medizinstudenten, die ihr Studium für die Doktorarbeit unterbrechen, erhalten ein Medizinpromotionsstipendium von 992 € plus 103 € Sachkostenzuschuss im Monat. Besonders qualifizierte Bachelorabsolventen können mit einem Qualifizierungsstipendium von 992 € für höchstens zwölf Monate an die Promotion herangeführt werden. Und wo die DFG einer Umwandlung zustimmt, beträgt ein reguläres Promotionsstipendium 1.650 € plus Sachkostenzuschuss. Solche Stipendien sind nach § 3 Nr. 44 EStG steuerfrei, aber nicht sozialversichert.

Wie bewerben Sie sich für ein Graduiertenkolleg?

Eine Bewerbung bei der DFG ist nicht möglich. Die DFG verweist Promotionsinteressierte ausdrücklich an die Kollegs selbst, die ihre Doktoranden in eigener Verantwortung auswählen. Verlangt wird dabei ein transparentes und wettbewerbliches Verfahren, das Bewerbern aus dem In- und Ausland offensteht. Deshalb werden freie Plätze öffentlich ausgeschrieben, auf den Seiten der Hochschulen, in der Stellenbörse der DFG und in Stellenportalen.

Typisch ist die Ausschreibung eines ganzen Jahrgangs auf einmal. Das Kolleg „Photopolarisierbare Grenzflächen und Membranen“ in Jena suchte im September 2026 zwölf Doktoranden, die gemeinsam am 1. Februar 2027 beginnen sollen, jeweils für 42 Monate. Ob ein Kolleg seine Jahrgänge nacheinander oder gestaffelt aufnimmt, überlässt die DFG dem Kolleg, entsprechend unterschiedlich ist der Rhythmus der Ausschreibungen. Viele Kollegs formulieren ihre Anzeigen auf Englisch oder zweisprachig, und nicht alle setzen Deutschkenntnisse voraus. In Passau hieß es etwa ausdrücklich, Deutsch sei keine Voraussetzung.

Welche Unterlagen gefragt sind, bestimmt die jeweilige Ausschreibung. In den Kolleg-Anzeigen, die zum Stichtag 28.09.2026 auf akademische-jobs.de liefen, wurden am häufigsten ein Motivationsschreiben, der Lebenslauf und die Zeugnisse verlangt. Einige baten zusätzlich um Referenzen, eine Projektskizze oder die Abschlussarbeit. Formal gelten die Voraussetzungen der Promotionsordnung, in aller Regel ein Master- oder gleichwertiger Abschluss. Mit dem Bachelor ist der Einstieg nur über ein Qualifizierungsstipendium möglich, sofern das Kolleg eines anbietet.

Aktuelle Promotionsstellen

Aktuell 340 offene Promotionsstellen auf akademische-jobs.de, darunter Stellen in Graduiertenkollegs.

Graduiertenkollegs prägen auch die Stellen oberhalb der Promotion: Mehrere Professuren, die im September 2026 ausgeschrieben waren, nannten die Mitwirkung in einem bestimmten Kolleg als Erwartung, eine Juniorprofessur in Wuppertal war sogar an die Verlängerung eines Kollegs geknüpft. Promotions- und Mitarbeiterstellen sammeln wir in den Bereichen Promotionsstellen und Wissenschaftliche Mitarbeiter.

Graduiertenkolleg, Graduiertenschule oder Individualpromotion?

Die Begriffe werden oft durcheinander verwendet. Sie beschreiben aber drei verschiedene Arten, eine Promotion zu organisieren:

Das Graduiertenkolleg

  • Ein Kolleg ist bewusst klein und thematisch eng: fünf bis zehn Hochschullehrer, ein Leitthema, bis zu 30 finanzierte Doktoranden über neun Jahre.
  • Es ist zeitlich befristet und muss sich im Wettbewerb bei der DFG durchsetzen, zuerst mit einer Skizze und dann mit einem Antrag, der vor Ort begutachtet wird.

Die Graduiertenschule

  • Graduiertenschulen sind größer und breiter angelegt. Sie wurden von 2006 bis 2019 in der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder gefördert, in der zweiten Phase mit 1 bis 2,5 Mio. € im Jahr, und sollten den Schwerpunkt einer ganzen Universität stärken.
  • Strenge Vorgaben zu Größe und Struktur gab es nicht. Daneben haben die Hochschulen eigene Einrichtungen aufgebaut, etwa Graduiertenzentren oder Graduate Schools wie die der TU München, die fächerübergreifende Kurse und Beratung anbieten.

Die Individualpromotion

  • Die Individualpromotion ist in Deutschland weiterhin der häufigste Weg, gut drei Viertel der Promovierenden gehen ihn: Ein Betreuer nimmt den Doktoranden an, das Thema entsteht in Absprache mit ihm, ein festes Kursprogramm gibt es nicht.
  • Finanziert wird sie über eine Stelle am Lehrstuhl oder in einem Projekt, ein Stipendium oder eine Tätigkeit außerhalb der Hochschule. Wer im Kolleg als assoziierter Kollegiat mitwirkt, verbindet beide Formen.

Für die Wahl zwischen den Wegen zählen vor allem das Thema und die Finanzierung. Kollegs vergeben Themen aus ihrem Forschungsprogramm, ein mitgebrachtes Thema passt nur, wenn es in dieses Programm fällt. Wer dagegen eine feste Struktur, Mitstreiter im selben Jahrgang und eine Stelle mit klarer Laufzeit sucht, findet genau das im Kolleg. Die Finanzierung über Stipendien vergleicht unser Beitrag zum Promotionsstipendium.

Wie viele Graduiertenkollegs gibt es?

Die DFG veröffentlicht alle laufenden Kollegs in ihrer Projektdatenbank GEPRIS. Am 28.09.2026 waren dort 212 Graduiertenkollegs verzeichnet, davon 184 nationale und 28 Internationale Graduiertenkollegs. Nach Wissenschaftsbereichen verteilten sie sich so:

WissenschaftsbereichLaufende Graduiertenkollegs
Lebenswissenschaften80
Geistes- und Sozialwissenschaften54
Naturwissenschaften47
Ingenieurwissenschaften31
Insgesamt212

Quelle: DFG, GEPRIS, Liste laufender Graduiertenkollegs, Abruf am 28.09.2026; eigene Auszählung von akademische-jobs.de.

Regional führt Nordrhein-Westfalen mit einer Beteiligung an 46 Kollegs vor Baden-Württemberg (34), Bayern (33) und Niedersachsen (25), wobei Kollegs mehrerer Hochschulen in jedem beteiligten Land zählen. Die meisten Kollegs an einem Ort hatte Göttingen mit zehn, vor Aachen, Berlin und Erlangen mit je acht. Die Internationalen Kollegs arbeiten am häufigsten mit Partnern in Kanada und Australien (je vier) sowie Japan (drei).

Über ein ganzes Jahr gerechnet ist die Zahl etwas höher, weil Kollegs enden und neue hinzukommen. Nach dem Jahresbericht der DFG liefen im Jahr 2025 insgesamt 237 Graduiertenkollegs, 29 wurden neu bewilligt, und die DFG stellte für das Jahr 298,2 Mio. € bereit. Innerhalb dieser Kollegs wurden Doktoranden mit zusammen 2.666 Personenjahren gefördert, ein Personenjahr entspricht einer Vollzeitstelle für ein Jahr.

Was gilt in Österreich und der Schweiz?

Ein Programm, das dem Graduiertenkolleg der DFG genau entspricht, gibt es in beiden Ländern nicht. Die nächsten Verwandten sehen so aus:

Österreich

  • Der Wissenschaftsfonds FWF fördert mit doc.funds strukturierte Doktoratsprogramme, die an einer Universität bereits seit mindestens zwei Jahren bestehen. Getragen wird ein Antrag von mindestens fünf Wissenschaftlern, gefördert werden Vorhaben von höchstens 48 Monaten.
  • Die Doktoranden werden aus den Programmmitteln angestellt. Für eine Stelle mit 30 Wochenstunden kalkuliert der FWF im Jahr 2026 Personalkosten von 50.220 € im Jahr einschließlich der Arbeitgeberabgaben.

Schweiz

  • Der Schweizerische Nationalfonds hat sein letztes eigenes Instrument für einzelne Doktorierende, Doc.CH, nach dem Eingabetermin im März 2024 eingestellt. Doktorierende werden seither über Projekte angestellt.
  • Doktoratsprogramme organisieren die Universitäten selbst. Einrichtungen in der Schweiz können aber Partner eines deutschen Internationalen Graduiertenkollegs sein. Ende September 2026 lief je ein solches Kolleg mit einem Partner in der Schweiz und in Österreich.

Fazit

Ein Graduiertenkolleg ist eine strukturierte Promotion mit festem Rahmen: ein gemeinsames Leitthema, Betreuung im Team, ein eigenes Kursprogramm und in aller Regel eine bezahlte Stelle nach TV-L E13 mit 65 bis 100 %, je nach Fach. Wer sich dafür interessiert, sollte die Ausschreibungen der passenden Kollegs früh beobachten, denn die Plätze werden meist jahrgangsweise vergeben. Wir hoffen, dass wir Ihnen damit weiterhelfen konnten!

FAQ: Häufige Fragen zum Graduiertenkolleg

Bekomme ich im Graduiertenkolleg ein Gehalt oder ein Stipendium?

In aller Regel ein Gehalt. Die Universität schließt mit Ihnen einen Arbeitsvertrag nach TV-L E13, der Umfang liegt je nach Fach zwischen 65 und 100 %. Stipendien vergeben Kollegs nur noch in Ausnahmefällen, etwa an Medizinstudenten während der Doktorarbeit oder an Bachelorabsolventen in einer Qualifizierungsphase.

Wie lange dauert die Promotion im Graduiertenkolleg?

Die DFG finanziert jeden Doktoranden bis zu 48 Monate und erwartet den Abschluss in der Regel nach drei bis höchstens vier Jahren. Die Förderung endet mit dem Monat der letzten mündlichen Prüfung.

Muss ich für ein Graduiertenkolleg Englisch können?

In vielen Kollegs ja, denn die Doktoranden werden international ausgewählt und die Kurse laufen häufig auf Englisch. Deutschkenntnisse setzen dagegen nicht alle Kollegs voraus. Maßgeblich ist die jeweilige Ausschreibung.

Kann ich Mitglied eines Kollegs werden, ohne von ihm bezahlt zu werden?

Ja, als assoziierter Kollegiat. Wer über ein Stipendium, eine Projektstelle oder anders finanziert ist, kann in das Kolleg aufgenommen werden und dessen Angebote nutzen, etwa Kurse und Reisemittel. Für die Aufnahme gelten dieselben Kriterien wie für die aus Kollegmitteln bezahlten Doktoranden.

Was ist der Unterschied zwischen Graduiertenkolleg und Graduiertenschule?

Ein Graduiertenkolleg ist klein und auf ein Forschungsthema fokussiert, mit fünf bis zehn Hochschullehrern. Graduiertenschulen waren breiter angelegte Einrichtungen einer Universität, die von 2006 bis 2019 in der Exzellenzinitiative gefördert wurden. Heute führen Hochschulen eigene fächerübergreifende Einrichtungen unter diesem Namen, etwa die TUM Graduate School.

Kann ich mit einem Bachelorabschluss in ein Graduiertenkolleg?

Nur, wenn das Kolleg ein Qualifizierungsstipendium anbietet und die Promotionsordnung der Hochschule einen solchen Zugang vorsieht. Das Stipendium beträgt 992 € im Monat und läuft höchstens zwölf Monate, danach wechseln Sie auf eine reguläre Promotionsstelle.