Tierpfleger Forschung und Klinik: Ausbildung, Aufgaben und Gehalt an der Universität

Von den 645 neuen Tierpfleger-Ausbildungsverträgen des Jahres 2024 entfielen bundesweit nur 96 auf die Fachrichtung Forschung und Klinik. Diese Tierpfleger arbeiten nicht im Zoo, sondern in den Tierhäusern der Universitäten, in Universitätskliniken und Tierkliniken, wo sie Versuchstiere halten, züchten und versorgen und bei Eingriffen und Diagnostik mitwirken. Dieser Ratgeber erklärt die Ausbildung, den Alltag im Tierhaus, die Vergütung nach TV-L und die Perspektiven des Berufs.

Veröffentlicht: 14.10.202616 min Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Tierpfleger Forschung und Klinik ist eine von drei Fachrichtungen des dualen Ausbildungsberufs Tierpfleger, geregelt in der § 2 der Ausbildungsverordnung, Dauer drei Jahre.
  • Typische Aufgaben: Versuchstiere unter definierten Hygienebedingungen halten, züchten und versorgen, Tierräume reinigen und desinfizieren, bei Behandlungen, Eingriffen und Diagnostik mitwirken, Bestände und Zuchten dokumentieren.
  • Voraussetzungen: formal kein bestimmter Schulabschluss, in der Praxis Hauptschulabschluss bis Abitur, dazu körperliche Belastbarkeit, keine Tierhaarallergie und Bereitschaft zu Wochenend- und Feiertagsdiensten.
  • Arbeitgeber: Tierhäuser und zentrale Tierlaboratorien der Universitäten, Universitätskliniken, Tierkliniken der veterinärmedizinischen Fakultäten, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, Pharmaindustrie.
  • Gehalt: an staatlichen Hochschulen nach TV-L, Entgeltgruppe 5 als Grundfall (3.073,97 € bis 3.720,25 €, Stand 04/2026), E 6 und E 7 bei hochwertigen Arbeiten. Auszubildende erhalten 1.296,82 € im ersten Jahr.
  • Besonderheit: Der Beruf ist streng reguliert. Die Haltung von Versuchstieren braucht eine behördliche Erlaubnis, das Pflegepersonal muss seine Sachkunde nachweisen und sich regelmäßig fortbilden.

Was ist ein Tierpfleger in Forschung und Klinik?

Tierpfleger ist ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf mit drei Fachrichtungen: Forschung und Klinik, Zoo sowie Tierheim und Tierpension. So legt es § 2 der Verordnung über die Berufsausbildung zum Tierpfleger vom 3. Juli 2003 fest. Die Fachrichtung Forschung und Klinik ist dabei die am wenigsten bekannte und zugleich die mit den höchsten fachlichen Anforderungen. Wer sie wählt, pflegt keine Löwen und keine Fundhunde, sondern Mäuse, Ratten, Zebrafische, Kaninchen, Schweine oder Schafe in den Tierhaltungen von Universitäten, Universitätskliniken, Tierkliniken und Forschungsinstituten. Umgangssprachlich heißt der Beruf deshalb auch Versuchstierpfleger oder Labortierpfleger, in englischsprachigen Ausschreibungen Animal Caretaker oder Animal Technician.

Was die Fachrichtung inhaltlich ausmacht, steht in § 3 Abs. 2 der Verordnung: Diagnostik bei Tieren, Mitwirken bei Behandlungen und Eingriffen, Haltung, Pflege und Zucht von hygienisch und genetisch definierten Tieren, Qualitätsmanagement, Hygienemanagement und prozessbezogene Arbeitstechniken. Hinter der nüchternen Aufzählung steckt ein Beruf, der näher an der Medizin und am Labor liegt als an der klassischen Tierpflege. Ein Tierpfleger in Forschung und Klinik nimmt Blut ab, bestimmt Parasitenbefall, hält Zuchtlinien gentechnisch veränderter Mäuse in Barrieresystemen und wirkt an Sektionen mit. Die Tiere, die er betreut, sind in aller Regel Versuchstiere oder Patienten einer Tierklinik. Wo der Beruf im Gesamtgefüge der Hochschule steht, zeigt unser Überblick über die Berufe an der Universität.

Der rechtliche Rahmen ist eng. Wer Wirbeltiere zu Versuchszwecken züchtet oder hält, braucht nach § 11 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 des Tierschutzgesetzes eine Erlaubnis der zuständigen Behörde. Die Tierschutz-Versuchstierverordnung verpflichtet in § 3 den Leiter jeder Einrichtung sicherzustellen, dass die mit der Pflege betrauten Personen über die Kenntnisse und Fähigkeiten nach Anlage 1 verfügen und sich regelmäßig fortbilden. Die Ausbildung zum Tierpfleger Forschung und Klinik ist der Standardweg, diese Sachkunde zu erwerben. Zur Einordnung der Größenordnung: Nach der Versuchstierstatistik des Bundesinstituts für Risikobewertung wurden in Deutschland im Jahr 2024 rund 1,33 Millionen Wirbeltiere und Kopffüßer in Versuchen verwendet, 72 % davon Mäuse, 13 % Fische und 6 % Ratten. Jedes dieser Tiere wurde von Tierpflegern versorgt.

Bei welchen Arbeitgebern arbeiten Tierpfleger Forschung und Klinik?

Der Arbeitsmarkt der Fachrichtung ist klein, aber klar umrissen. Überall dort, wo Tiere für Forschung, Lehre oder Krankenversorgung gehalten werden, wird Fachpersonal mit dieser Ausbildung gebraucht:

  • Tierhäuser und zentrale Tierlaboratorien der Universitäten: Die meisten Universitäten mit Lebenswissenschaften oder Medizin betreiben eine zentrale Tierhaltung, häufig als eigene Einrichtung mit Barrierebereichen, Zuchtlinien und Service für alle Arbeitsgruppen. Hier liegt der Kern des Berufs.
  • Universitätskliniken und medizinische Fakultäten: Experimentelle Tierzentren wie das Präklinische Experimentelle Tierzentrum in Erlangen oder das Translational Animal Research Center der Universitätsmedizin Mainz bilden selbst aus und beschäftigen eigene Teams.
  • Tierkliniken der veterinärmedizinischen Fakultäten: An der Tierärztlichen Hochschule Hannover oder der Klinik für Wiederkäuer der LMU München versorgen Tierpfleger Patienten, melken Kühe, ziehen Kälber auf und bereiten Operationen vor. Hier ist der Beruf der klinischen Seite der Fachrichtung am nächsten.
  • Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen: Institute der Max-Planck-Gesellschaft, der Helmholtz-Gemeinschaft und Bundesinstitute wie das Bundesinstitut für Risikobewertung bilden ebenfalls aus und stellen ein.
  • Pharmaindustrie, Auftragsforschung und Versuchstierzucht: Zuchtbetriebe und Forschungsabteilungen der Industrie sind der zweite große Markt, in aller Regel mit höherer Bezahlung, aber ohne den Lehr- und Forschungsbezug der Hochschule.

Die Universität ist in diesem Feld ein besonderer Arbeitsplatz. Sie ist Ausbildungsbetrieb und Arbeitgeber zugleich, und sie verbindet Tierhaltung mit Forschung und Lehre. Tierpfleger an einer Universität arbeiten direkt mit Wissenschaftlern zusammen, die auf ihre Zuchtplanung und ihre Beobachtungen angewiesen sind, sie leiten Studenten und Doktoranden im Umgang mit Tieren an und erleben die Entwicklung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden, die der Ausbildungsrahmenplan ausdrücklich zum Lehrinhalt macht. In unserer Datenbank spiegelt sich diese Struktur: Zum Stichtag 12.10.2026 stammten alle 16 Ausschreibungen mit Tierpflege im Titel von Universitäten, Universitätsmedizinen und veterinärmedizinischen Hochschulen, vier davon waren Ausbildungsplätze.

Welche Aufgaben hat ein Tierpfleger im Tierhaus?

Fünf Aufgabenblöcke prägen den Alltag, und sie unterscheiden sich deutlich von dem, was man sich unter Tierpflege gemeinhin vorstellt:

Hygienisch und genetisch definierte Tiere halten und züchten

Versuchstiere werden nicht einfach gehalten, sondern unter definierten Bedingungen: in Barrieresystemen, die nur über Schleusen betreten werden, in einzeln belüfteten Käfigen (IVC) und als spezifiziert pathogenfreie Bestände (SPF), also frei von einer festgelegten Liste von Krankheitserregern, deren Fehlen regelmäßig nachgewiesen wird. Der Tierpfleger führt Zuchtprogramme durch, verpaart Tiere nach Plan, dokumentiert Würfe und Genotypen und hält die Linien gentechnisch veränderter Tiere stabil. Diese Arbeit ist in der Verordnung als Kern der Fachrichtung festgeschrieben, und sie entscheidet darüber, ob ein Forschungsprojekt überhaupt mit den passenden Tieren arbeiten kann. Eine über Jahre aufgebaute Zuchtlinie lässt sich nicht nachkaufen.

Hygiene, Desinfektion und Sterilisation

Der zweite Block ist unsichtbar, solange er funktioniert. Tierräume, Käfige, Tränken und Geräte werden nach festen Protokollen gereinigt, desinfiziert und autoklaviert, Desinfektionslösungen werden berechnet und angesetzt, Schleusen und Schutzkleidung konsequent genutzt. Ein einziger eingeschleppter Erreger kann einen ganzen SPF-Bereich entwerten und laufende Versuche unbrauchbar machen. Das Hygienemanagement ist deshalb eigener Prüfungsbereich der Abschlussprüfung, und in den Ausschreibungen der Universitäten steht es regelmäßig an erster Stelle der Aufgaben.

Bei Diagnostik, Behandlungen und Eingriffen mitwirken

Tierpfleger in Forschung und Klinik beherrschen Handgriffe, die in den anderen Fachrichtungen nicht vorkommen: Sie nehmen Blut ab, entnehmen Kot-, Harn- und Hautproben, bestimmen Parasitenbefall, bereiten Wirkstoffzubereitungen vor, legen Infusionen an und wirken bei Narkosen, Eingriffen und Sektionen mit, also bei der Untersuchung verstorbener Tiere. Die Verordnung verlangt ausdrücklich, dass sie Tiere fachgerecht betäuben und töten können. Wer diesen Teil des Berufs nicht tragen kann, ist in der Fachrichtung falsch, und die Ausbildungsbetriebe sprechen das in ihren Ausschreibungen offen an.

Bestände dokumentieren und Tiermanagement-Software führen

Jedes Tier in einer genehmigten Versuchstierhaltung ist aktenkundig: Herkunft, Genotyp, Verwendung, Verbleib. Die Tierschutz-Versuchstierverordnung verlangt Aufzeichnungen, und die Hochschulen führen sie heute in elektronischen Tiermanagementsystemen. Der Tierpfleger pflegt diese Daten, meldet Bestände, bereitet Tierbestellungen vor und liefert die Zahlen, die am Ende in die amtliche Versuchstierstatistik einfließen. In den Ausschreibungen der TU Darmstadt oder der Universität Halle ist die EDV-gestützte Dokumentation ausdrücklich Teil der Stelle.

Klinikalltag an den Tierkliniken

An den veterinärmedizinischen Fakultäten zeigt der Beruf seine zweite Seite, die Klinik. Dort versorgen Tierpfleger stationäre Patienten, melken Kühe, füttern und misten, ziehen Kälber auf, fixieren Tiere für Untersuchungen und bereiten Operationen vor und nach. Die Tierärztliche Hochschule Hannover nennt in ihrer Ausschreibung außerdem Rufbereitschaft sowie Wochenend- und Feiertagsdienste, die LMU München die Arbeit mit Rindern, Schafen, Ziegen und Alpakas. Wer Großtiere mag, findet hier den Zugang zur Fachrichtung, der dem klassischen Bild der Tierpflege am nächsten kommt.

Wie wird man Tierpfleger Forschung und Klinik?

Der Weg in den Beruf führt über die duale Ausbildung, und die Universität ist dabei selbst Ausbildungsbetrieb. Die Fachrichtung wird mit dem Ausbildungsvertrag gewählt.

Ausbildung an Universität und Uniklinik

Die Ausbildung dauert nach § 2 der Verordnung drei Jahre und wird im Betrieb und in der Berufsschule absolviert. Ausbildungsbetriebe an Hochschulen sind die zentralen Tierhaltungen, die Tierzentren der Universitätskliniken und die Kliniken der tiermedizinischen Fakultäten. Die Universität Bielefeld bildet beispielsweise in der zentralen Tierhaltung mit kleinen Nagetieren sowie in der Verhaltensforschung mit Prachtfinken, Meerschweinchen und Amphibien aus, die Tierärztliche Hochschule Hannover lässt ihre Auszubildenden durch die Kliniken für Rinder, Pferde, Kleintiere und Heimtiere und mehrere Institute rotieren. Weil die Fachrichtung so klein ist, bündeln die Länder den Berufsschulunterricht an wenigen Standorten und erteilen ihn im Block: Die Auszubildenden der Universitäten Bielefeld und Bonn besuchen das Berufskolleg Elly-Heuss-Knapp-Schule in Düsseldorf, in Bonn im Rhythmus eine Woche Schule, zwei Wochen Betrieb. Das Universitätsklinikum Erlangen schickt seine Auszubildenden zum Staatlichen Beruflichen Schulzentrum Ansbach-Triesdorf. Wer die Ausbildung beginnt, sollte deshalb mit Fahrten und Unterkunft am Schulort rechnen.

Einen bestimmten Schulabschluss schreibt die Verordnung nicht vor. Die Hochschulen setzen die Hürde unterschiedlich: Die Tierärztliche Hochschule Hannover und die LMU München verlangen in ihren Ausschreibungen mindestens einen guten beziehungsweise qualifizierenden Hauptschulabschluss, das Universitätsklinikum Erlangen einen mittleren Schulabschluss, die Medizinische Fakultät der Universität Leipzig Realschulabschluss oder Abitur. Die amtliche Statistik bestätigt diese Bandbreite: Von den 96 Auszubildenden, die 2024 bundesweit einen Vertrag in der Fachrichtung Forschung und Klinik abschlossen, hatten 15 einen Hauptschulabschluss, 51 einen Realschulabschluss und 30 die Hochschulreife. Wer Hochschulreife oder eine abgeschlossene Berufsausbildung mitbringt, kann die Ausbildung verkürzen, an der Universität Bonn beispielsweise auf zwei Jahre. Daneben verlangen die Ausbildungsbetriebe körperliche Belastbarkeit, keine Scheu vor Schmutz und Blut und keine Tierhaar-, Heu- oder ähnliche Allergien, wie es die Tierärztliche Hochschule Hannover wörtlich formuliert.

Vergütet wird die Ausbildung an den Hochschulen der Länder nach dem Tarifvertrag für Auszubildende der Länder (TVA-L BBiG): seit dem 1. April 2026 mit 1.296,82 € im ersten, 1.350,96 € im zweiten und 1.400,61 € im dritten Ausbildungsjahr. Hinzu kommen Jahressonderzahlung, 30 Tage Urlaub und die betriebliche Altersversorgung. Mehrere Ausbildungsbetriebe zahlen eine Prämie bei bestandener Abschlussprüfung, das Universitätsklinikum Erlangen 400 €, die Universität Bonn 400 € bis 500 €. Die Bewerbungsfristen liegen früh: Für den Ausbildungsbeginn im August 2027 lief die Frist in Bielefeld bis zum 4. Oktober 2026, in Bonn bis zum 1. November 2026 und in Leipzig bis zum 28. Februar 2027.

Prüfungen vor der IHK

Zuständige Stelle für die Prüfungen ist die Industrie- und Handelskammer. Die Verordnung legt den Ablauf genau fest:

Zwischenprüfung vor Ende des zweiten Jahres

Nach § 7 der Verordnung wird der Ausbildungsstand vor dem Ende des zweiten Ausbildungsjahres ermittelt. Im praktischen Teil bearbeitet der Prüfling in höchstens drei Stunden zwei bis drei Arbeitsaufgaben, etwa ein Tier pflegen und versorgen, ein Tier für eine Behandlung halten und fixieren oder eine Tierunterkunft einrichten, reinigen und desinfizieren. Der schriftliche Teil dauert höchstens 180 Minuten und fragt Futter und Einstreu, Reinigung und Desinfektion, das Einrichten von Tierunterkünften und das Mitwirken bei Behandlungen ab. Die Zwischenprüfung zählt nicht zur Abschlussnote, zeigt aber früh, wo Lücken liegen.

Abschlussprüfung: fünf Stunden Praxis, fünf Stunden Theorie

Die Abschlussprüfung der Fachrichtung ist in § 8 der Verordnung geregelt. Praktisch führt der Prüfling in höchstens fünf Stunden vier bis fünf Arbeitsaufgaben durch, die einem betrieblichen Auftrag entsprechen, darunter Futter zusammenstellen und bemessen, ein Tier für den Transport vorbereiten, einen Kranken- und Quarantänebereich einrichten, Tiere pflegen und züchten, Behandlungen, Eingriffe und Hygienemaßnahmen sowie Diagnosemaßnahmen durchführen. Schriftlich werden drei Bereiche geprüft: Pflegen, Halten, Versorgen und Züchten von Tieren in Forschung und Klinik (120 Minuten, 40 % der schriftlichen Note), diagnostische und hygienische Maßnahmen, Behandlungen und Eingriffe (120 Minuten, 40 %) sowie Wirtschafts- und Sozialkunde (60 Minuten, 20 %). Wer in einem Bereich wackelt, kann die Prüfung mündlich ergänzen.

Die Prüfungsinhalte zeigen, wie weit die Fachrichtung in die Labormedizin reicht: Die Verordnung nennt für den schriftlichen Teil unter anderem Zuchtprogramme, gentechnisch veränderte Tiere, Embryotransfer und Kryokonservierung, Desinfektions- und Sterilisationsverfahren, Techniken der Probennahme, physiologische Daten, Wirkstoffzubereitung und -applikation, statistische Auswertung von Daten sowie Schmerzbekämpfung, Narkose, Eingriffe und Tötung. Die Erfolgsquote ist hoch: 2024 nahmen bundesweit 99 Auszubildende der Fachrichtung an der Abschlussprüfung teil, 96 bestanden. Hinzu kamen sechs Prüflinge, die ohne Ausbildungsvertrag als Externe zugelassen wurden und alle bestanden. Dieser Weg steht Berufserfahrenen offen, die ihre Praxis nachträglich mit einem Abschluss absichern wollen.

Die drei Fachrichtungen in Zahlen

Die Berufsbildungsstatistik des Statistischen Bundesamtes weist die Tierpfleger nach Fachrichtungen aus. Forschung und Klinik ist mit Abstand die kleinste:

FachrichtungNeue Verträge 2024Auszubildende 31.12.2024Frauenanteil
Forschung und Klinik9630371 %
Zoo24064563 %
Tierheim und Tierpension30380480 %
Tierpfleger gesamt6451.75572 %

Werte vom Statistischen Bundesamt aus Datenschutzgründen auf Vielfache von 3 gerundet, Frauenanteil daraus berechnet (Forschung und Klinik 216 von 303, Zoo 405 von 645, Tierheim 642 von 804, gesamt 1.266 von 1.755). Quelle: Statistisches Bundesamt, Statistischer Bericht Berufsbildungsstatistik 2024, Tabellen 21211-45 und 21211-49.

Interessanterweise ist die Fachrichtung Forschung und Klinik trotz ihrer anspruchsvollen Inhalte die mit den stabilsten Ausbildungsverhältnissen in absoluten Zahlen: 39 Verträge wurden 2024 vorzeitig gelöst, 24 davon noch im ersten Ausbildungsjahr. Wer das erste Jahr mit seinen Wochenenddiensten, seinen Gerüchen und seiner ersten Mitwirkung an einer Tötung hinter sich hat, bleibt in aller Regel bis zur Prüfung.

Welche Soft Skills werden benötigt?

Soft Skills sind die überfachlichen Fähigkeiten, die neben der Ausbildung darüber entscheiden, ob jemand im Tierhaus besteht. Die Ausschreibungen der Hochschulen nennen übereinstimmend:

  • Verantwortungsbewusstsein für das Wohl der Tiere
  • Verlässlichkeit, auch an Wochenenden und Feiertagen
  • Sorgfalt bei Hygiene und Dokumentation
  • Körperliche und seelische Belastbarkeit
  • Teamfähigkeit im Schichtbetrieb
  • Kommunikationsfähigkeit gegenüber Wissenschaftlern und Tierärzten

Die vier wichtigsten im Detail:

Verantwortungsbewusstsein

Versuchstiere können sich nicht beschweren. Ob ein Tier Schmerzen hat, ob eine Gruppe sich verträgt oder ob die Wasserflasche verstopft ist, bemerkt nur, wer genau hinsieht und dann handelt. Der Tierpfleger ist im Alltag der Anwalt der Tiere gegenüber Versuchsplanung und Zeitdruck, und das Tierschutzrecht nimmt ihn dafür ausdrücklich in die Pflicht. Wer diese Haltung mitbringt, wird von Tierschutzbeauftragten und Tierärzten als Partner geschätzt.

Verlässlichkeit

Tiere fressen auch am Sonntag und an Weihnachten. In den Ausschreibungen der Universitäten gehören Wochenend- und Feiertagsdienste ausdrücklich zum Beruf, an Tierkliniken kommt Rufbereitschaft hinzu, und die Universität Zürich schreibt sogar eigene Aushilfsstellen nur für Wochenenden, Ferien und Feiertage aus. Diese Dienste werden im Team verteilt und tariflich ausgeglichen, aber sie lassen sich nicht abwählen. Wer planbare Freizeit über alles stellt, sollte das vor der Ausbildung wissen.

Sorgfalt

Im Barrierebereich entscheidet ein vergessener Kittelwechsel über den Hygienestatus eines ganzen Bestands, und eine falsch eingetragene Verpaarung kann Monate Zuchtarbeit entwerten. Sorgfalt heißt hier, Protokolle auch beim hundertsten Mal einzuhalten und Abweichungen sofort zu melden statt sie zu übergehen. Die Verordnung verankert Qualitätsmanagement und Regeln Guter Laborpraxis deshalb als eigene Ausbildungsinhalte.

Belastbarkeit

Der Beruf ist körperlich fordernd, vom Käfigwechsel im Akkord bis zum Misten im Großtierstall, und er ist seelisch fordernd, weil das Töten von Tieren zur Ausbildung gehört und im Berufsalltag wiederkehrt. Hinzu kommen Allergene, Gerüche und Schutzkleidung über Stunden. Die Hochschulen schließen Bewerber mit Tierhaar- oder Heuallergie aus gutem Grund aus. Wer sich der Frage nach dem Tierversuch ehrlich gestellt hat und dennoch bleiben will, bringt die wichtigste Voraussetzung mit.

Wie hoch ist das Gehalt eines Tierpflegers an der Universität?

An den Hochschulen der Länder wird nach dem TV-L vergütet, dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder. Tierpfleger werden in der Entgeltordnung nicht als eigener Beruf geführt, sondern nach den allgemeinen Tätigkeitsmerkmalen für Beschäftigte mit körperlich und handwerklich geprägten Tätigkeiten eingruppiert (Entgeltordnung Teil III, Abschnitt 1, PDF-Seite 258). Entscheidend ist die Ausbildung und die Wertigkeit der übertragenen Arbeit:

EntgeltgruppeWann sie greiftStufe 1Stufe 6
E 5Grundfall: abgeschlossene Ausbildung von mindestens drei Jahren, Tätigkeit im erlernten Beruf3.073,97 €3.720,25 €
E 6„hochwertige Arbeiten“, die über das übliche Maß an Überlegungsvermögen und fachlichem Geschick hinausgehen3.186,57 €3.863,96 €
E 7„besonders hochwertige Arbeiten“ mit vielseitigem Können, besonderer Umsicht und Zuverlässigkeit3.235,83 €3.987,16 €
AuszubildendeTVA-L BBiG, 1. bis 3. Ausbildungsjahr1.296,82 €1.400,61 €

Monatliche Grundentgelte ab 01.04.2026, bei Auszubildenden Ausbildungsentgelt 1. und 3. Jahr. Eingruppierungsmerkmale nach der Entgeltordnung zum TV-L, Teil III Abschnitt 1 mit Protokollerklärungen Nr. 1 und 2. Quelle: Tarifgemeinschaft deutscher Länder, Anlage B zum TV-L (Tabelle des Landesamtes für Steuern und Finanzen Sachsen) und TVA-L BBiG (Tabelle des Landesamtes für Besoldung und Versorgung Baden-Württemberg).

Tierpfleger an der Universität: Monatsentgelt von Stufe 1 bis Stufe 6

E 7 (besonders hochwertige Arbeiten) 3.236–3.987 €

E 6 (hochwertige Arbeiten) 3.187–3.864 €

E 5 (Grundfall nach der Ausbildung) 3.074–3.720 €

Ausbildung (1. bis 3. Jahr) 1.297–1.401 €

1.0002.0003.0004.000

Angaben in € brutto im Monat, gerundet (Stand 04/2026)

Quelle: TdL-Entgelttabelle TV-L und TVA-L BBiG (Stand 01.04.2026), auf ganze € gerundet.

Die Stufen bilden die Berufserfahrung ab: Wer neu in der Entgeltgruppe beginnt, startet in Stufe 1 und steigt mit den Jahren bis zur Stufe 6, die nach insgesamt 15 Jahren in derselben Entgeltgruppe erreicht ist. Einschlägige Berufserfahrung aus einer anderen Tierhaltung wird bei der Einstellung angerechnet.

Die Ausschreibungen in unserer Datenbank bewegen sich genau in diesem Rahmen: Die Tierärztliche Hochschule Hannover vergütete eine Teilzeitstelle in der Klinik für kleine Klauentiere nach E 5, die TU Darmstadt eine unbefristete Stelle in der Versuchstierhaltung des Fachbereichs Biologie mit SPF- und IVC-Haltung, Zuchtplanung und EDV-Dokumentation nach E 7. Wer zum Vorarbeiter einer Gruppe bestellt wird, erhält zusätzlich die tarifliche Vorarbeiterzulage. Für Wochenend-, Feiertags- und Nachtdienste greifen die Zeitzuschläge und der Freizeitausgleich des TV-L, dazu kommen Jahressonderzahlung und die Zusatzversorgung des öffentlichen Dienstes.

Die Leitung eines Tierhauses ist dagegen keine Tierpfleger-Stelle: Die Universität Halle-Wittenberg schrieb die Tierhausleitung nach E 14 und die Universität Erlangen-Nürnberg die Leitung von Tierhaus und Transgenic Service Facility nach E 15 aus, beide mit approbierten Tierärzten als Voraussetzung, die auch die verantwortliche Person nach § 11 Tierschutzgesetz stellen. Die Tierpflege selbst bleibt damit in den Entgeltgruppen 5 bis 7, und die Pharmaindustrie zahlt für dieselbe Arbeit in aller Regel mehr. Die Universität punktet dafür mit Forschungsnähe, einem breiten Tierartenspektrum und, anders als in der Wissenschaft, überwiegend unbefristeten Stellen: Tierhaltung ist eine Daueraufgabe.

Neue Hochschulstellen jede Woche per E-Mail

Jede Woche die interessantesten neuen Stellen von Universitäten, Hochschulen und Uniklinika in Deutschland, Österreich und der Schweiz, ausgewählt aus über 4.800 Ausschreibungen. Kostenlos, jederzeit abbestellbar.

Aktuelle Stellen für Tierpfleger

Auf akademische-jobs.de finden Sie die Ausschreibungen für Tierpfleger an Universitäten, Universitätskliniken und veterinärmedizinischen Hochschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, Ausbildungsplätze eingeschlossen. Sie laufen in den Bereichen Verwaltung und Technik und Veterinärmedizin zusammen:

Aktuelle Stellen für Tierpfleger

Aktuell 18 offene Stellen und Ausbildungsplätze für Tierpfleger auf akademische-jobs.de.

Welche Perspektiven hat ein Tierpfleger?

Der klassische Aufstieg führt zum Geprüften Tierpflegemeister. Zur Meisterprüfung wird nach § 2 der Tierpflegemeister-Verordnung zugelassen, wer die Abschlussprüfung als Tierpfleger bestanden hat, für den zweiten Prüfungsteil kommt ein Jahr Berufspraxis hinzu. Auch ohne Tierpfleger-Abschluss ist die Zulassung möglich, dann mit zwei bis vier Jahren einschlägiger Praxis. Meister übernehmen an Hochschulen die Leitung der Tierpflege oder einzelner Haltungsbereiche, bilden selbst aus und sind die Schnittstelle zwischen Tierhausleitung, Tierschutzbeauftragten und Pflegeteam. Die Universität Zürich schreibt solche Positionen beispielsweise als Leitung Tierpflege und Tiertraining aus.

Daneben wächst die fachliche Tiefe mit der Fortbildung. Die Tierschutz-Versuchstierverordnung verpflichtet das Pflegepersonal zur regelmäßigen Fortbildung, und die Hochschulen setzen das mit versuchstierkundlichen Kursen um. Das Zentrale Tierlabor der Universität Duisburg-Essen etwa führt den Kurs der Gesellschaft für Versuchstierkunde (GV-SOLAS) für alle tierexperimentell tätigen Beschäftigten einschließlich der Tierpfleger durch. Wer sich auf Spezies wie Zebrafische oder Primaten, auf Barriere- und Isolatorhaltung oder auf die Zuchtkoordination transgener Linien spezialisiert, wird im eigenen Haus schwer ersetzbar. Außerhalb der Hochschule stehen die Tierhaltungen der Pharmaindustrie, der Auftragsforschung und der Versuchstierzucht offen, in aller Regel zu höherer Bezahlung. Ein Studium bleibt eine Option, die Hochschulen weisen ausdrücklich darauf hin, ist aber nicht der typische Weg.

Was gilt in Österreich und der Schweiz?

Beide Nachbarländer bilden Tierpfleger als Lehrberuf aus, kennen aber jeweils eine eigene Systematik.

Österreich

  • Österreich hat den Lehrberuf zum 1. Juli 2026 neu geordnet: Die Tierpflege-Ausbildungsordnung 2026 (BGBl. II Nr. 204/2026) ersetzt den bisherigen Lehrberuf Tierpfleger aus dem Jahr 1997. Die Lehrzeit beträgt drei Jahre.
  • Eine Fachrichtung Forschung gibt es nicht. Das Berufsbild nennt als Einsatzorte neben Zoos, Tierparks und Tierheimen ausdrücklich Forschungs- und Versuchseinrichtungen sowie Tierkliniken, die Spezialisierung erfolgt im Betrieb.
  • Veterinärmedizinische Universität Wien: Die Vetmeduni schreibt Stellen in der Tierhaltung ihrer Forschungseinrichtungen aus, zum Stichtag beispielsweise eine Laborhilfskraft im Bereich Labortiermedizin.

Schweiz

  • Die Schweiz kennt den Beruf Tierpfleger/in EFZ mit den Fachrichtungen Heimtiere, Versuchstiere und Wildtiere. Die Fachrichtung Versuchstiere ist das Gegenstück zur deutschen Fachrichtung Forschung und Klinik.
  • Die Lehre dauert drei Jahre, mit vier Tagen pro Woche im Lehrbetrieb und einem Tag in der Berufsfachschule. Für die Fachrichtung Versuchstiere kommen 17 Tage überbetriebliche Kurse hinzu. Die Lohnempfehlungen liegen bei 496 bis 813 CHF im ersten und 817 bis 1.267 CHF im dritten Lehrjahr.
  • Universität Zürich und ETH Zürich: Beide Hochschulen gehören zu den größten Ausbildungs- und Arbeitgebern der Fachrichtung. Zum Stichtag schrieb die Universität Zürich fünf Stellen aus, von der Tierpflege in der Pferdechirurgie bis zur Leitung Tierpflege, die ETH Zürich eine Labortierpflege für Isolatorhaltung.

Fazit

Der Tierpfleger in Forschung und Klinik ist der Laborberuf unter den Tierpflegern. Er verbindet die tägliche Versorgung lebender Tiere mit Hygienemanagement, Zucht, Diagnostik und der Mitwirkung an Eingriffen, und er trägt dabei eine Verantwortung, die das Tierschutzrecht ausdrücklich einfordert. Die Universität ist für diesen Beruf ein naheliegender Arbeitsplatz: Sie bildet selbst aus, bezahlt nach TV-L, bietet ein breites Tierartenspektrum und überwiegend unbefristete Stellen. Der Preis sind Wochenenddienste, körperliche Arbeit und die Nähe zum Tierversuch, die nicht jeder tragen kann. Den benachbarten Laborberuf mit Zellkulturen statt Tieren stellen wir im Ratgeber zum Biologielaboranten vor. Wir hoffen, dass wir Ihnen damit weiterhelfen konnten!

FAQ: Häufige Fragen zum Tierpfleger in Forschung und Klinik

Was unterscheidet die Fachrichtung Forschung und Klinik von Zoo und Tierheim?

Die Tiere und die Aufgaben. In Forschung und Klinik werden hygienisch und genetisch definierte Versuchstiere und Klinikpatienten gehalten, dazu kommen Diagnostik, Mitwirken bei Eingriffen und ein strenges Hygienemanagement. Zoo-Tierpfleger pflegen Wildtiere und betreuen Besucher, Tierheim-Tierpfleger versorgen Hunde und Katzen und beraten Kunden. Die ersten eineinhalb Jahre der Ausbildung sind für alle drei Fachrichtungen gleich, danach trennen sich die Wege.

Brauche ich Abitur für die Ausbildung?

Nein. Die Verordnung schreibt keinen Schulabschluss vor, die Hochschulen verlangen in ihren Ausschreibungen meist einen guten Hauptschul- oder einen Realschulabschluss. 2024 hatten von 96 neuen Auszubildenden der Fachrichtung 15 einen Hauptschulabschluss, 51 einen Realschulabschluss und 30 die Hochschulreife. Mit Hochschulreife lässt sich die Ausbildung an manchen Hochschulen verkürzen.

Muss ich am Wochenende arbeiten?

Ja, in aller Regel im Wechsel mit den Kollegen. Tiere müssen auch an Wochenenden und Feiertagen versorgt werden, an Tierkliniken kommt Rufbereitschaft hinzu. Die Dienste werden nach TV-L mit Zeitzuschlägen und Freizeitausgleich abgegolten.

Was verdient ein Tierpfleger an der Universität?

Nach TV-L in der Entgeltgruppe 5 als Grundfall, das sind 3.073,97 € bis 3.720,25 € im Monat (Stand 04/2026). Bei hochwertigen oder besonders hochwertigen Arbeiten sind E 6 und E 7 möglich, die TU Darmstadt schrieb eine Stelle in der Versuchstierhaltung beispielsweise nach E 7 aus. Auszubildende erhalten 1.296,82 € im ersten Jahr.

Muss ich an Tierversuchen mitwirken?

In der Forschung ja. Das Mitwirken bei Behandlungen und Eingriffen, das fachgerechte Betäuben und Töten von Tieren und die Anwendung der Regeln zur Durchführung von Tierversuchen sind Pflichtinhalte der Ausbildung nach § 3 Abs. 2 der Verordnung. Der Ausbildungsrahmenplan verlangt zugleich, die Notwendigkeit von Tierversuchen sowie Ersatz- und Ergänzungsmethoden aufzuzeigen. An den Tierkliniken überwiegt die Versorgung von Patienten.