Doktorarbeit-Noten: Von summa cum laude bis rite

17,6 % der Promotionen des Jahres 2024 wurden mit Auszeichnung bewertet, weitere 60,5 % mit „sehr gut": Fast vier von fünf Doktorarbeiten erhalten eine der beiden Bestnoten. Die Skala dahinter reicht von summa cum laude bis rite, doch wie die Gesamtnote zustande kommt, regelt jede Fakultät anders. Dieser Artikel erklärt die Notenstufen und ihre Bedeutung, wie Dissertation und mündliche Prüfung verrechnet werden, wie verbreitet die einzelnen Prädikate sind und welche Rolle die Note nach der Promotion tatsächlich spielt.

Veröffentlicht: 13.09.20268 min Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Doktorarbeiten werden in Deutschland mit lateinischen Prädikaten bewertet: summa cum laude (mit Auszeichnung), magna cum laude (sehr gut), cum laude (gut) und rite (genügend). Manche Fakultäten arbeiten zusätzlich mit Ziffern.
  • Die Gesamtnote setzt sich aus der Note der Dissertation und der mündlichen Prüfung zusammen; die Gewichtung regelt die Promotionsordnung, häufig zählt die Dissertation doppelt oder mit zwei Dritteln.
  • summa cum laude ist überall an Sonderbedingungen geknüpft: einstimmige Gutachten, oft ein zusätzliches externes Gutachten, teils eine Zweidrittelmehrheit der Prüfungskommission.
  • Im Prüfungsjahr 2024 erhielten von den Promotionen mit bekannter Note 17,6 % die Auszeichnung, 60,5 % ein „sehr gut“, 19,9 % ein „gut“ und 2,1 % „befriedigend“ oder „ausreichend“.
  • Nach der Promotion zählt die Note vor allem in der Wissenschaft: Zum Stichtag 09.09.2026 verlangten 8 % der wissenschaftlichen Stellenausschreibungen auf akademische-jobs.de ausdrücklich eine überdurchschnittliche oder Prädikatspromotion.
  • Österreich benotet Dissertationen mit Schulnoten von 1 bis 5, die Schweiz uneinheitlich: Die Universität Zürich vergibt Prädikate auf einer Skala bis 6,0, die ETH kennt nur „bestanden“.

Welche Noten gibt es für eine Doktorarbeit?

Die Promotion wird nicht mit Schulnoten bewertet, sondern mit Prädikaten, die aus dem Lateinischen stammen und an deutschen Universitäten seit langem gebräuchlich sind. Vier Stufen bilden den Kern, eine fünfte bezeichnet das Nichtbestehen. Die Promotionsordnung der Fakultät für Physik der LMU München führt die Übersetzungen selbst mit:

PrädikatDeutschBedeutung
summa cum laudemit höchstem Lob, ausgezeichneteine herausragende Leistung
magna cum laudemit großem Lob, sehr guteine besonders anzuerkennende Leistung
cum laudemit Lob, guteine den Anforderungen entsprechende Leistung
riteordnungsgemäß, genügendeine trotz Mängeln noch ausreichende Leistung
insufficienter / non riteungenügendnicht bestanden

Quelle: Promotionsordnung der LMU München für die Fakultät für Physik (2020), Stand der Übersetzungen dort; Bezeichnung des Nichtbestehens je nach Fakultät.

Die Stufen sind bundesweit dieselben, ihre Verwendung nicht. Viele Fakultäten hinterlegen die Prädikate mit Ziffern, um Durchschnitte bilden zu können: In Frankfurt steht magna cum laude für die 1, cum laude für die 2, rite für die 3 und das Prädikat ausgezeichnet für die 0; die Kölner Philosophische Fakultät rechnet mit 0,0 für summa und erlaubt Zwischennoten wie 0,7 oder 1,3. Die Physik der LMU beginnt ihre Skala bei 0,7 für summa cum laude. Manche Ordnungen nennen nur die deutschen Wörter „mit Auszeichnung“, „sehr gut“, „gut“ und „bestanden“, und einzelne Fakultäten kennen zusätzliche Zwischenstufen, die Universität Zürich etwa ein „insigni cum laude“ zwischen summa und magna. Wer die eigene Note einordnen will, muss also immer in die Promotionsordnung der Fakultät schauen, die sie vergeben hat. Wie der Titel geführt wird, den die Note begleitet, erklärt unser Beitrag zu den akademischen Titeln.

Wie kommt die Gesamtnote zustande?

Eine Promotion besteht aus zwei Prüfungsleistungen, der Dissertation und der mündlichen Prüfung, und aus beiden bildet die Prüfungskommission die Gesamtnote. Drei Regeln bestimmen das Ergebnis, und alle drei stehen in der Promotionsordnung: Wie die Gutachter, in aller Regel der Betreuer als Erstgutachter und mindestens ein weiterer Professor, die Dissertation benoten und wie ihre Voten zusammengeführt werden, mit welchem Gewicht die Disputation oder das Rigorosum eingeht, und unter welchen Bedingungen das Prädikat summa cum laude vergeben werden darf. Wie unterschiedlich die Fakultäten das lösen, zeigt der Vergleich von neun Promotionsordnungen:

UniversitätNote der DissertationGesamtnote und summa cum laude
LMU München, Physik0,7 summa bis 3,0 rite, Zwischennoten ± 0,3Dissertation zählt 1,5-fach; summa nur einstimmig, wenn beide Teile besser als 1,0
RWTH Aachen, Maschinenwesenkeine Ziffernskala, Prädikat durch die Kommissioneine Gesamtnote oder getrennte Noten für Dissertation und Prüfung
Heidelberg, Mathematik und NaturwissenschaftenMittel der GutachtenMittel aus Dissertation und Disputation; summa nur einstimmig bei 1,0
Frankfurt, Mathematik und Naturwissenschaften0 ausgezeichnet bis 4 non ritezwei Drittel Dissertation, ein Drittel Disputation; „ausgezeichnet“ nur mit drittem, externem Gutachten
Hamburg, MIN-Fakultätmagna 1,0/1,3 bis rite 2,7/3,0summa nur bei mindestens drei übereinstimmenden Gutachten, eines extern, und Zweidrittelmehrheit
Düsseldorf, Mathematik und Naturwissenschaftenausgezeichnet bis genügendsumma nur, wenn die Dissertation „ausgezeichnet“ ist und zwei Drittel des Ausschusses zustimmen
KIT, Maschinenbau1 bis 3, Zwischennoten 1,5 und 2,5gewichtetes Mittel; summa nur einstimmig bei 1,0 und auf Vorschlag eines Referenten
Köln, Philosophische Fakultät0,0 summa bis 3,0 rite, ZwischennotenPrädikat aus dem Mittel der Gutachten; summa nur, wenn alle Gutachter summa geben
StuttgartDezimalnote der GutachterMittel aus Dissertation und Prüfung, Abweichung um 0,5 möglich; summa bei überragenden Leistungen

Quelle: Promotionsordnungen der genannten Fakultäten in der jeweils gültigen Fassung (2017 bis 2025), Stand 09.09.2026.

Drei Muster ziehen sich durch. Erstens wiegt die Dissertation fast überall schwerer als die mündliche Prüfung: In Frankfurt zählt sie zwei Drittel, an der LMU anderthalbfach, in Heidelberg und Stuttgart je zur Hälfte, wobei Stuttgart der Kommission erlaubt, vom Mittel um eine halbe Note nach oben oder unten abzuweichen. Zweitens wird nicht gerundet, sondern abgeschnitten: Heidelberg und Köln berücksichtigen nur die erste Dezimale und streichen alle weiteren Stellen, sodass ein Durchschnitt von 1,58 zur 1,5 und damit zum magna wird. Drittens ist summa cum laude nirgends ein rechnerisches Ergebnis. Die Bestnote verlangt in Köln, Hamburg und Frankfurt, dass alle Gutachter sie vorschlagen, in Hamburg und Frankfurt zusätzlich ein drittes, externes Gutachten, in Heidelberg und am KIT einen einstimmigen Beschluss der Kommission bei einem Durchschnitt von 1,0, in Düsseldorf und Hamburg eine Zweidrittelmehrheit des Ausschusses. Wer die Auszeichnung anstrebt, braucht also nicht nur eine herausragende Arbeit, sondern auch Gutachter, die sich darin einig sind.

Wie verbreitet sind die einzelnen Noten?

Über die Verteilung der Promotionsnoten gab es lange nur Anekdoten. Das Statistische Bundesamt erfasst die Gesamtnote der Promotion jedoch in seiner Prüfungsstatistik, in den Stufen mit Auszeichnung, sehr gut, gut, befriedigend und ausreichend, die den lateinischen Prädikaten entsprechen. Die Hochschulen melden dazu jede bestandene Promotion mit ihrer Gesamtnote; für das Prüfungsjahr 2024 ergibt sich folgendes Bild:

Gesamtnote der Promotion 2024AnzahlAnteil
mit Auszeichnung (summa cum laude)4.55217,6 %
sehr gut (magna cum laude)15.66560,5 %
gut (cum laude)5.15319,9 %
befriedigend (rite)4841,9 %
ausreichend440,2 %
Note nicht bekannt2.273
bestandene Promotionen gesamt28.171

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), Statistischer Bericht „Statistik der Prüfungen“, Prüfungsjahr 2024, Tabelle 21321-13. Anteile bezogen auf die 25.898 Promotionen mit bekannter Note.

Fast vier von fünf Doktorarbeiten erhalten damit eine der beiden Bestnoten, und nur jede fünfzigste wird schlechter als „gut“ bewertet; endgültig nicht bestanden haben 2024 ganze neun von 28.180 Kandidaten. Das ist kein neues Phänomen. Der Wissenschaftsrat stellte schon 2011 in seinem Positionspapier zur Qualitätssicherung der Promotion fest, dass in der Mehrzahl der Fälle die Bestnote, in der Regel summa cum laude, und die zweitbeste Note, in der Regel magna cum laude, verliehen werden. Die Notenskala ist also nach oben verdichtet: Ein magna cum laude ist der Normalfall, ein cum laude bereits eine Aussage. Zwischen den Fächern liegen dabei erhebliche Unterschiede. In der Humanmedizin, wo die Doktorarbeit meist neben dem Studium entsteht, liegt der Anteil der Auszeichnungen deutlich unter dem Durchschnitt und der Anteil der „gut“-Bewertungen deutlich darüber; in den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften ist es umgekehrt. Auffällig ist zudem, dass für 8 % der Promotionen keine Note gemeldet wurde; die Gründe dafür weist die Statistik nicht aus.

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Welche Rolle spielt die Note nach der Promotion?

Weil die Skala so eng ist, hat die Note weniger Gewicht, als viele Promovierende befürchten. Wirklich wichtig wird sie vor allem an einer Stelle: beim Verbleib in der Wissenschaft. Wie oft Arbeitgeber sie ausdrücklich verlangen, haben wir in unserer eigenen Datenbank ausgezählt. Zum Stichtag 09.09.2026 forderten 119 der 1.514 aktiven Ausschreibungen für Professuren, Postdocs und wissenschaftliche Mitarbeiter auf akademische-jobs.de eine überdurchschnittliche oder mit Prädikat abgeschlossene Promotion, also 8 %. Die Formulierungen reichen von „sehr gut abgeschlossene Promotion“ über „Promotion mit Prädikat“ bis zu „PhD with distinction“ in englischsprachigen Anzeigen; bei den Postdoc-Stellen betraf das 11 von 146 Ausschreibungen. Die große Mehrheit der Anzeigen verlangt die Promotion ohne Notenzusatz und lässt Publikationen, Drittmittel und Passung entscheiden.

Wo die Note ausdrücklich zählt, meint „Prädikatspromotion“ in aller Regel mindestens ein magna cum laude. Das gilt auch für den nächsten Qualifikationsschritt: Die Habilitationsordnungen setzen üblicherweise eine überdurchschnittliche, teils eine mit einem bestimmten Prädikat abgeschlossene Promotion voraus, wie unser Ratgeber zur Habilitation erläutert. Ein rite schließt eine wissenschaftliche Laufbahn nicht aus, macht sie aber in Fächern mit vielen Bewerbern erklärungsbedürftig. Außerhalb der Hochschule verliert die Note schnell an Gewicht; dort zählen der Doktorgrad als solcher, das Thema der Arbeit und die im Verfahren erworbenen Fähigkeiten. Für die Entscheidung, ob sich der Kampf um die Auszeichnung lohnt, ist deshalb die Frage entscheidend, ob Sie nach der Promotion in der Forschung bleiben wollen.

Aktuelle Stellen nach der Promotion

Wer mit frischem Doktorgrad in der Wissenschaft weitermacht, findet die passenden Ausschreibungen bei uns in den Bereichen Postdoc und Wissenschaftliche Mitarbeiter. Ein aktueller Ausschnitt:

Aktuelle Postdoc-Stellen

Aktuell 1.061 offene Postdoc-Stellen auf akademische-jobs.de.

Wie werden Dissertationen in Österreich und der Schweiz benotet?

Beide Nachbarländer kennen die lateinischen Prädikate nur zum Teil. Österreich benotet gesetzlich einheitlich mit Ziffern, die Schweiz von Hochschule zu Hochschule verschieden.

Österreich

  • Nach § 72 UG 2002 werden Prüfungen und wissenschaftliche Arbeiten mit „sehr gut“ (1), „gut“ (2), „befriedigend“ (3), „genügend“ (4) und „nicht genügend“ (5) beurteilt; wo diese Skala nicht passt, gilt „mit Erfolg teilgenommen“.
  • Wie die Dissertation betreut und beurteilt wird, regelt nach § 83 UG 2002 die Satzung der jeweiligen Universität. Lateinische Prädikate sind nicht vorgesehen.

Schweiz

  • Die Philosophische Fakultät der Universität Zürich vergibt nach § 45 ihrer Promotionsverordnung Prädikate auf der Schweizer Notenskala: 6,0 summa cum laude, 5,5 insigni cum laude, 5,0 magna cum laude, 4,5 cum laude und 4,0 rite. Die Gesamtnote entspricht dort allein der Note der Dissertation, die mündliche Prüfung fließt nicht ein.
  • Die ETH Zürich verzichtet ganz auf Prädikate: Nach Art. 41 der Doktoratsverordnung wird die Doktorarbeit als angenommen oder abgelehnt und die Doktorprüfung als „bestanden“ oder „nicht bestanden“ bewertet.

Fazit

Die Noten einer Doktorarbeit folgen einer alten, engen Skala: Vier von fünf Promotionen enden mit summa oder magna cum laude, ein cum laude ist bereits die Ausnahme. Was die Gesamtnote genau bedeutet und wie sie entstanden ist, lässt sich nur mit der Promotionsordnung der vergebenden Fakultät sagen, denn Gewichtung, Rundung und die Hürden für die Auszeichnung unterscheiden sich von Haus zu Haus. Für die Laufbahn zählt die Note dort, wo Wissenschaft weitergeht, und sonst kaum. Wir hoffen, dass wir Ihnen damit weiterhelfen konnten!

FAQ: Häufige Fragen zu den Noten der Doktorarbeit

Ist summa cum laude selten?

Seltener als magna, aber keine Rarität: Im Prüfungsjahr 2024 wurden 17,6 % der Promotionen mit bekannter Note mit Auszeichnung bewertet, in den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften deutlich häufiger als in der Medizin. Die Hürde liegt weniger in der Zahl als im Verfahren, das für die Bestnote fast überall Einstimmigkeit verlangt.

Steht die Note auf der Promotionsurkunde?

In aller Regel ja, als lateinisches Prädikat; die Düsseldorfer Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät schreibt das ausdrücklich vor. Ziffern erscheinen dagegen meist nicht: Frankfurt hält fest, dass die Zahlenwerte nur als Berechnungsgrundlage dienen und nicht in der Urkunde stehen.

Kann ich die Note meiner Doktorarbeit anfechten?

Die Notenfestsetzung ist eine Prüfungsentscheidung, gegen die Widerspruch und Klage möglich sind. Überprüft werden dabei Verfahrensfehler, etwa eine falsch besetzte Kommission oder eine Abweichung von der Promotionsordnung, nicht die fachliche Bewertung selbst. Die Einzelheiten stehen in der Rechtsbehelfsbelehrung des Bescheids.

Zählt die Note für die Habilitation?

Ja. Die Habilitationsordnungen setzen üblicherweise eine überdurchschnittliche Promotion voraus, manche nennen ein Mindestprädikat. Mit magna cum laude ist diese Hürde in aller Regel genommen, mit rite wird es schwierig.

Was bedeutet rite?

Rite heißt wörtlich „ordnungsgemäß“ und bezeichnet eine Doktorarbeit, die den Anforderungen trotz Mängeln noch genügt, in der Statistik die Stufe „befriedigend“. Sie ist bestanden, aber 2024 erhielten nur rund 2 % der Promotionen diese oder eine schlechtere Note.